Sehenswürdigkeiten Venedig – Ein perfekter Tag in der Serenissima

von | 04/06/19 | Alles und nichts, Europa, Italien, Reisen | 1 Kommentar

Am 17. Mai 2019 ist meine Mutter nach schwerer Krankheit verstorben. Am 25. Mai wäre ihr 62. Geburtstag gewesen, den sie traditionell in Venedig gefeiert hätte. Ihr zu Ehren und um uns ihr noch einmal nahe zu fühlen, bin ich mit meiner ganzen Familie über das Wochenende in die italienische Stadt der Brücken gefahren. Da wir freitags hin und sonntags wieder zurück sind, hatten wir effektiv nur einen Tag vor Ort: den 25. Mai.

Was wir uns alles angeschaut haben und was auch du an einem Tag in Venedig nicht verpassen solltest, erfährst du hier:

 

Venedig – Von der Serenissima zum Touristenzentrum

Bis 1797 war Venedig die Hauptstadt der Republik Venedig und bis ins 16. Jahrhundert sogar eine der größten Handelsmächte der Welt. Venedig hatte die meisten Handelsschiffe, aber auch Kriegsschiffe und konnte so seine Vormachtstellung über die Jahrhunderte bewahren. Die Stadt  war unheimlich reich, weswegen wir bis heute unermessliche Kulturschätze in der Lagunenstadt bestaunen können.

In dieser Zeit erhielt Venedig auch den Titel La Serenissima Repubblica di San Marco (die durchlauchteste Republik des Heiligen Markus). Zunächst galt der Titel dem Dogen – dem Herrscher Venedigs – und den Adligen. Nach einiger Zeit wurde er jedoch auf die gesamte Republik ausgeweitet.

1866 wurde Venedig in Italien eingegliedert und ist seitdem die Hauptstadt der italienischen Provinz Venetien. Sie liegt im Nordosten des Landes in der Lagune von Venedig. Innerhalb dieser Lagune befinden sich 118 Inseln, von denen nur 11 bewohnt sind. Die Hauptinsel mit der Altstadt hat mit 63.000 Bewohnern die mit Abstand höchste Einwohnerzahl aller Inseln. Seit 1987 stehen sowohl Stadt als auch Lagune auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes.

Heute ist Venedig bei Touristen so beliebt wie noch nie. Venedig steht auf der To Do Liste von Reisenden aus aller Welt und wird auch vermehrt von Kreuzfahrtschiffen angesteuert. Die neue Aufgabe lautet: den Spagat zwischen Schönheit und Massentourismus zu meistern.

 

Venedig – Die Anreise

  • Mit dem Flugzeug: Venedig hat zwei Flughäfen. Der Stadtflughafen heißt Marco Polo (das Kürzel ist VCE) und ist einer der verkehrsreichsten Flughäfen Italiens. Der zweite ist etwa 40 Kilometer entfernt und liegt bei der Stadt Treviso (er hat das Kürzel TSF).
  • Mit dem Zug: Gerade innerhalb Italiens ist Zugfahren günstig und schnell. Der Bahnhof von Venedig befindet sich an einer Vaporetto-Station, sodass du direkt in einen Wasserbus steigen kannst, falls deine Unterkunft zu weit ist, um hinzulaufen oder wenn du sofort mit dem Sightseeing starten möchtest.
  • Mit dem Bus: Venedig ist ganz einfach mit dem Bus zu erreichen und sehr gut mit anderen Städten in Italien und ganz Europa verbunden. Ich bin zwar selbst noch nicht mit dem Bus nach Venedig gefahren, aber bereits dort umgestiegen. Ich fahre immer mit Flixbus.
  • Mit dem Auto: Das mag im ersten Moment merkwürdig erscheinen, aber da meine Eltern grundsätzlich mit dem Auto angereist sind, möchte ich diese Variante nicht unerwähnt lassen. Wenn du über den Brenner fährst, zahlst du etwa 30 Euro Autobahnmaut bis Venedig. Von Mestre (einem von zwei Stadtteilen auf Venedigs Festland) fährst du über eine Brücke auf die Insel Tronchetto, auf der Parkhäuser für die motorisierten Besucher warten. Diese kosten ab 30 Euro pro Tag und du solltest auf jeden Fall im Voraus reservieren. Über eine Fußgängerbrücke gelangst du dann auf die Hauptinsel und kannst entweder zu deinem Hotel laufen oder ein Vaporetto – einen Wasserbus – nehmen.

 

Venedig – Sehenswürdigkeiten

Da ich diesmal nur einen Tag in Venedig verbracht habe, sind meine Tipps gezielt auf einen Tages- bzw. Wochenendausflug mit Anreise am Freitag und Abreise am Sonntag ausgerichtet.

Die Hauptinsel ist der touristischste Teil der Stadt. Darauf findest du berühmte Sehenswürdigkeiten wie den Markusdom am Markusplatz und den danebenliegenden Dogenpalast, die Rialto-Brücke und die Seufzerbrücke Ponte dei Sospiri. Mach dich darauf gefasst, dass alle diese Sehenswürdigkeiten tagsüber überfüllt sind.

 

Markusplatz und Markusdom

Da du allerdings kaum nach Venedig fahren und dann den Markusdom auslassen wirst, musst du dich wohl oder übel ins Getümmel stürzen. Falls du das Gedrängel und die Menschenmassen umgehen möchtest, habe ich jedoch einen Tipp für dich: Wenn du, so wie ich, zum Sonnenaufgang zum Markusplatz gehst, wirst du ihn fast für dich alleine haben!

Der Turm ist übrigens der Glockenturm des Markusdoms und wird daher auch Markusturm genannt. Er ist mit 98 Metern das höchste Gebäude Venedigs. Seine Spitze fungierte ursprünglich als Leuchtturm, damit die Schiffe sicher in den Hafen der Lagune fanden. 1902 stürzte der Turm nach mehreren Erdbeben ein, was jedoch darauf zurückzuführen war, dass Metallstreben im Innern entfernt worden waren, um einen Aufzug einzubauen. Der Wiederaufbau, bei dem die zwar 1000 Jahre alten, aber sehr gut erhaltenen Pfahlgründungen verwendeten wurden, dauerte neun Jahre. So wurde der neue Turm am Markustag, dem 25. April 1913, feierlich eingeweiht. Heute kann man über einen Aufzug auf den Glockenturm hinauf. Auch das steht bei mir jedoch weiterhin auf der Bucket List…

 

Der Dogenpalast

Wie bereits zu Beginn erwähnt, wurde der Herrscher über die Republik Venedig Doge genannt. Das Wort leitet sich von dem Lateinischen Wort Dux (Anführer) ab. Der erste Doge wurde im Jahre 726 gewählt. Der Dogenpalast direkt neben dem Markusdom war ab dem 9. Jahrhundert Regierungssitz und ist bis heute ein Zeichen des Reichtums, der Größe und der Macht der Lagunenstadt. Dies zeigt sich nicht nur von außen in der herausragenden venezianischen Baukunst, sondern auch in den mit Stuck, vergoldeten Schnitzereien und prachtvollen Gemälden im Innern. Er ist einer der bedeutendsten gotischen Profanbauten.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich noch nie drinnen war. Vielleicht ändere ich das bei meinem nächsten Besuch in der Serenissima.

 

Die Seufzerbrücke

Auch die Ponte dei Sospiri – die Seufzerbrücke – hat in den frühen Morgenstunden eine völlig andere Wirkung. Das Wasser liegt glatt da, anstatt von stets vorbeigleitenden Gondeln aufgewühlt zu sein. Wenn du um 6 Uhr dort bist, kannst du sogar für einen Moment die Gedanken zu den Gefangenen schweifen lassen, die vor langer Zeit den Gang über die Seufzerbrücke antraten und dabei einen letzten Blick auf die Lagune werfen konnten, bevor sie für immer im Gefängnis landeten.

Tagsüber stauen sich hier die Gondeln, die um die Ecke ihre Tour durch die kleinen gewundenen Kanäle beginnen.

 

Die Rialto-Brücke

Die Rialto-Brücke ist eine von nur vier Brücken, die über den Canal Grande führt, der die sechs Stadtviertel, genannt Sestieri, von einander trennt: San Marco, Cannaregio und Castello befinden sich auf der einen und Dorsoduro, San Polo und Santa Croce auf der anderen Seite.

Auch rund um die Rialtobrücke herrscht um 6 Uhr morgens Ruhe. So kannst du entspannt Fotos machen.

Das ist der Blick von der Rialto-Brücke zur Vormittagszeit, wenn Betriebsamkeit herrscht:

 

Murano

Wir haben gegen 12 Uhr ein Vaporetto genommen und sind zur Insel Murano gefahren.

Die Insel ist vor allem berühmt für die Glasbläserkunst. Im frühen Mittelalter wurden die Glasbläser nach Murano verbannt, da man in Venedig selbst Angst vor einem Brand hatte. Seit dem wird hier das kostbare Glas hergestellt und hat es zu Weltbekanntheit gebracht.

Meine Mutter liebte das Murano-Glas und wünschte sich einen Kronleuchter für unser Wohnzimmer. Gerne würde ich ihr diesen Wunsch posthum irgendwann erfüllen.

Burano

Auch wenn die Zeit etwas knapp wurde, wollten wir uns den Besuch der Insel Burano nicht nehmen lassen. Gegen 15 Uhr haben wir ein Vaporetto genommen, das ca. 30 Minuten benötigt, um von Murano nach Burano zu fahren. Die bunten Häuser sind einfach zu schön, um sie zu verpassen. Spätestens hier verstreuen sich die Touristen so sehr, dass du auch zu Peak Zeiten noch Platz hast.

Was in Murano die Glasbläserkunst ist, ist in Burano die Spitze. Hier kannst du ältere Damen beobachten, wie sie Spitze klöppeln. In jedem Laden ist dies das Hauptthema. Ob Dekoartikel oder Kleidung… Hier ist alles aus dem weißen Tuch gemacht.

Meine Mutter hat es geliebt, sich hier durch die Läden zu wühlen und hat erst bei ihrem letzten Besuch ein gesticktes Gemälde von „Der Kuss“ von Gustav Klimt ergattert, das in unserem Wohnzimmer hängt. Es war ein komisches Gefühl, als mein Vater uns genau den Laden zeigte, wo sie es gekauft hat.

 

Gegen 18:00 Uhr machen wir uns auf den Rückweg in Richtung Hauptinsel. Dort planen wir eines der Highlights des Tages:

 

Eine Gondelfahrt in Venedig

Ja, es ist kitschig. Aber darf nicht gerade in einer Stadt wie Venedig auch ein bisschen Kitsch und Klischee auf der Tagesordnung stehen? Ich finde schon!

Die Preise für eine Gondelfahrt sind meines Wissens mittlerweile überall gleich und nicht verhandelbar: An allen Gondelstationen der Stadt stehen Schilder mit Preisen, die besagen, dass die kleine Tour (Giro Turistico genannt) bis 19 Uhr 80 Euro und danach 100 Euro kostet. Der sogenannte Giro Completo kostet 120 Euro bzw. 150 Euro.

Gondelfahrt Venedig

Mit etwas Glück erwischst du so wie wir einen Gondoliere, der ein traditionelles Lied über Liebe und Sehnsucht zum besten gegeben hat. Einfach schön!

 

Venedig – Hotel

Während unseres Aufenthalts sind wir in diesem Hotel untergekommen: Hotel Santa Lucia. Das Hotel ist klein, aber fein und befindet sich nur wenige Minuten zu Fuß vom Bahnhof bzw. von den Parkhäusern. Dafür ist es zwar ein ganzes Stück bis zum Markusplatz, aber meiner Meinung nach stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis. Für zwei Zimmer mit insgesamt fünf Personen und zwei Nächte mit Frühstück haben wir 540 Euro gezahlt.

Du möchtest dir andere Unterkünfte anschauen? Dann schau doch mal bei Booking*, Tripadvisor*, Airbnb* oder Hostelworld* vorbei!

 

Venedig – Weiterreise

Venedig liegt ideal, wenn du entweder Italien weiter erkunden willst oder weiter in den Südosten Europas möchtest. Hier ein paar Beispiele für Städte, die sich anbieten würden:

  • Mailand: Mailand ist vor allem für Shopping-Fans das perfekte Ziel. Aber auch Kulturbegeisterte werden sich am Mailänder Dom oder an der Scala erfreuen.
  • Verona: Die Heimat von Romeo und Julia ist ein idealer Ort für einen Wochenendausflug. Auch wenn du kein Opernfreund bist, ist die Arena di Verona einen Besuch wert. Die Atmosphäre ist einzigartig und es ist ein ganz besonderes Erlebnis. Das kannst du auch in meinem Beitrag lesen: 48 Stunden in Verona.
  • Florenz: 2009 habe ich ein halbes Jahr in Florenz verbracht. Leider habe ich es nicht dorthin zurück geschafft, um mal einen Beitrag über diese wunderschöne Stadt zu schreiben, die definitiv in meinen Top 3 der italienischen Städte ist – mit Palermo und Rom!
  • Ljubljana: Die slowenische Hauptstadt ist eine Perle der Ruhe. Von hier aus kannst du entweder Slowenien wunderbar erkunden oder weiter in den Süden reisen. Zum Beispiel nach Rovinj.
  • Rovinj: Im Norden Kroatiens direkt am Mittelmeer gelegen, hat mich die Stadt voll in ihren Bann gezogen, als ich letztes Jahr eine Woche dort war. Die entzückende Altstadt auf einer eigenen Halbinsel ist einfach nur malerisch und die Sonnenuntergänge sind ein Traum. Von Venedig kommst du entweder mit dem FlixBus nach Rovinj oder mit einer Fähre. Alternativ mach es wie ich und unternimm einen Motorrad Roadtrip durch Kroatien.

Und auch wenn das nicht gerade um die Ecke liegt, möchte ich als Halbsizilianerin meine Lieblingsinsel nicht unerwähnt lassen: Sizilien ist die größte Insel im Mittelmeer und eine absolute Schönheit.

 

Venedig – Fazit

Für meine Familie und mich war dies eine besondere und wichtige Reise, bei der wir die Orte, die meine Mutter so sehr geliebt und alljährlich zu ihrem Geburtstag besucht hat, erlebten. Für uns war dies auf der einen Seite ein Abschied, aber auf der anderen Seite hat es auch gezeigt, dass wir uns ihr jederzeit nahe fühlen können, indem wir uns an ihre Lieblingsorte begeben.

Venedig ist aber auch so immer eine Reise wert. Ich war nun dreimal dort und auch wenn es voll ist und an vielen Ecken alles andere als sauber, empfinde ich Venedig als absolutes Must See in Italien und sogar in Europa. Ich bin weiterhin jedes Mal beeindruckt, wenn ich vor dem Markusdom stehe, durch die vielen Gassen über die Brücken wandere oder mit dem Vaporetto über den Canal Grande düse und die alten Gemäuer vom Wasser aus bewundern darf. Die Stadt ist und bleibt einzigartig und ich hoffe, dass ich noch viele Male dorthin reisen werde.

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