Das Felsenmeer im Odenwald – Wenn Bergriesen streiten

von | 28/04/20 | Alles und nichts, Deutschland, Europa, Reisen | 4 Kommentare

Ich war etwa 10 Jahre alt, als ich mit der Schule eine Exkursion zum Felsenmeer im Odenwald machte. Das war das erste und einzige Mal, dass ich diesen Ort sah. Ich weiß noch, wie ich fasziniert über die Felsen kletterte, auch wenn ich gleichzeitig nicht verstand, wie viel Zauber diese Steine umgaben. Mehr als zwei Jahrzehnte später kehrte ich nun zurück. Mit meiner Kamera bewaffnet und begierig, mehr über das Felsenmeer zu lernen.

Anfahrt zum Felsenmeer

Für die Wanderung im Felsenmeer musst du nach Lautertal im Odenwald reisen und dort am besten das Informationszentrum Felsenmeer ansteuern. Dies ist ein idealer Ausgangspunkt für die Wanderung. Dorthin gelangst du am besten mit dem Auto. Am Informationszentrum gibt es einen kostenpflichtigen Parkplatz, an dem du dein Auto stehen lassen kannst, während du die Wanderung machst.

Alternativ kannst du auf dem Felsberg kostenfrei parken. Neben dem Restaurant Ada’s Buka kannst du auf einem Parkplatz dein Auto stehen lassen und entweder bergab zum Felsenmeer wandern oder bergauf auf weiteren Wanderwegen.

Wegweiser im Felsenmeer auf dem Felsberg

 

Das Felsenmeer

Das Felsenmeer liegt oberhalb von Lautertal-Reichenbach im Vorderen Odenwald auf dem Felsberg. Es handelt sich dabei um eine Felsenlandschaft aus dunkelgrauem Quarzdiorit. Bereits die Römer nutzten das Felsenmeer zur Steingewinnung. Diese Tradition wurde später von lokalen Steinmetzen weitergeführt. Heute wird dieser sogenannte „Felsberg-Granit“ nicht mehr abgebaut.

Das Felsenmeer im Odenwald

Das Felsenmeer ist ein beliebtes Naherholungsgebiet und Ausflugsziel für Wanderer geworden, das auch Kinderherzen höher schlagen lässt und so für die ganze Familie geeignet ist.

 

Die Sage ums Felsenmeer

Zwei Riesen sollen eins in der Gegend von Reichenbach gehaust haben. Der eine lebte auf dem Felsberg und wurde Felshocker genannt, während Steinbeißer auf dem Hohenstein zuhause war. Das Lautertal trennte ihre Reiche. Eines Tages gerieten sie in einen Streit und begannen, sich mit Felsbrocken zu bewerfen. Steinbeißer hatte mehr Wurfmaterial zur Verfügung, was ihm einen Vorteil verschaffte. So endete Felshocker unter den Felsen. Der Sage nach kannst du ihn bis heute manchmal darunter brüllen hören. Auf dem Hohenstein befindet sich eine alleinstehende Felswand, die die letzte Hausmauer des anderen Riesen gewesen sein soll.

 

Entstehung des Felsenmeers

Die ältesten Gesteine des Vorderen Odenwaldes, der auch wegen seines Alters Kristalliner Odenwald genannt wird, sind vermutlich mehr als 500 Millionen Jahre alt. Vor 380 bis 340 Millionen Jahren teilten zwei große Urkontinente den Planeten. Durch den sogenannte Kontinentaldrift bewegten sich beide Großkontinente aufeinander zu und wurden zu einem: Der Urkontinent Pangaea war geboren. Durch verschiedene plattentektonische Prozesse eines kleineren Kontinents im Zuge der Verschmelzung der beiden Urkontinente ist der Odenwald entstanden, das sich zu dieser Zeit auf Höhe des Äquators befand.

Das Quarzdiorit, aus dem das Felsenmeer besteht, ist ein kristallines Gestein, das wohl gut 10 Millionen Jahre benötigte, um abzukühlen. Bei diesem Vorgang sind die Gesteinskörper geschrumpft und gerissen. Als dann im Erdmittelalter der Meeresspiegel auf der ganzen Welt anstieg, wurde der Odenwald überschwemmt und mit Ablagerungen überdeckt. Es dauert viele Millionen Jahre, um dieses Deckgebirge abzutragen. Unterstützt wurde dies durch den Einbruch des Rheingrabens vor etwa 50 Millionen Jahren. Schließlich entstanden quaderförmige Blöcke durch die sich vertiefenden Risse. Die nun freiliegenden Steine waren von da an der Witterung ausgesetzt.

Die letzte Eiszeit vor rund 12.000 Jahren verwandelte den Odenwald in eine Permafrostzone. Als am Ende die Frostgrenze zurückwich, setzten sich die Steine in Bewegung und führten so zur Entstehung des Felsenmeeres, wie wir es kennen.

 

Die Wanderung

Die Wanderung durch das Felsenmeer hat einen ganz besonderen Charakter. Wie plötzlich erkaltete Wellen türmen sich die Felsbrocken vor dir auf und du musst teilweise richtig klettern, um sie zu überwinden. Aber verzage nicht, wenn du das Felsenmeer genießen möchtest, aber kein Kletterfreund bist: Es gibt auch einen normalen Wanderweg, der am Rande entlangführt und zum Beispiel eine Brücke die das Meer überquert.

Weg zum Felsenmeer

Steine im Felsenmeer

Ich bin von oben gestartet, vom Parkplatz am Felsberg, und dem Pfad hinunter gefolgt. Es ist beeindruckend, wie plötzlich die ersten Felsen auftauchen und nach und nach immer mehr werden. Auf dem Weg, direkt an der Riesensäule, die ein Zeugnis der Anwesenheit der Römer vor 2000 Jahren in diesem Gebiet ist, befindet sich eine Hütte zum Einkehren, die leider wegen Corona geschlossen hatte, als ich da war.

Im Felsenmeer im Odenwald

Weiter geht’s! Bis hierhin konnte ich zwischen den Steinen gut hin- und herlaufen. Nun werden die Steine aber so dicht, dass die Kletterpartie beginnt. Gleichzeitig eröffnet sich vor mir der Blick ins Tal. Herrlich!

Aussicht vom Felsenmeer ins Lautertal

An dieser Stelle solltest du die Entscheidung treffen, ob du auf dem Wanderweg das Felsenmeer umgehst oder dich auf den Kletterspaß einlässt. Ich entscheide mich für letzteres.

Es geht ganz schön in die Beine und ich merke sehr schnell, dass ich am nächsten Tag sicherlich Muskelkater haben werde. Aber es fühlt sich gleichzeitig auch gut an und die fast schon surreale Landschaft des Felsenmeeres lenkt mich von meinen brennenden Waden und Oberschenkeln ab.

Bachlauf im Felsenmeer im Odenwald

Den unteren Teil nach der Brücke laufe ich dann über den Weg. Dieser ist übrigens Teil des 130 Kilometer langen Nibelungensteigs – eine Fernwanderung und Hauptwanderweg des Odenwaldklubs.

Wanderweg im Felsenmeer

Holzstufen im Felsenmeer

Unten angekommen kannst du im Informationszentrum allerlei zur Geschichte und Entstehung des Felsenmeeres erfahren, falls du dich weiter in dieses Thema einlesen möchtest. Allerdings solltest du vorher checken, ob es geöffnet hat, da es zur Zeit wegen Corona geschlossen hat. Ich war in der Woche vor dem Kontaktverbot dort und konnte es quasi vor dem Lockdown erkunden.

 

Mein Fazit

Das Felsenmeer ist ein cooler Ausflugsort und nicht nur Kinder haben hier Spaß. Meine Beine haben am nächsten Tag außerdem ganz schön gebrannt, sodass du nicht nur einen tollen Fotospot mit ganz vielen Sagen und Geschichte hast, sondern die Wanderung auch noch einem Workout für die Beine gleicht.

Von mir gibt es daher zwei Daumen hoch für das Felsenmeer im Odenwald!

Deine Barbara

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