Nablus und Jenin – Mein erster Ausflug nach Palästina

von | 25/04/17 | Asien, Israel, Naher Osten, Reisen | 8 Kommentare

Eine meiner Touren beim letzten Besuch in Israel ging nach Nablus und Jenin. Als ich dieses Jahr für die TBEX nach Jerusalem gereist bin, war für mich klar: Ich muss diesmal nach Palästina. Das Land wird auch Westjordanland (bzw. auf Englisch Westbank) genannt, da es an den westlichen Ufern des Jordans liegt. Ich persönlich hatte immer das Gefühl, dass der Begriff Westbank abschätzig verwendet wird. Aber das habe ich nicht bestätigt bekommen und es war nur so ein Gefühl. Dem Artikel voranstellen möchte ich, dass ich keine Politologin bin und auch nicht Partei ergreifen möchte. Ich bin lediglich eine Reisende und digitale Nomadin, die Länder, Orte und Kulturen aus erster Hand erfahren möchte.

Die Nablus und Jenin Tour

Ich habe zwei Tagestouren bei Abraham Tours gebucht: Die Tour nach Nablus und Jenin und die Best of Westbank Tour. Hier möchte ich dich an die verschiedenen Orte der Tour nach Nablus und Jenin entführen – zwei Orte, die ich zuvor nicht kannte! Aber die Nablus und Jenin Tour wurde mir empfohlen, sodass ich bereitwillig zum ersten Mal nach Palästina fuhr. Ich döste im Taxi vor mich hin, da wir früh abgeholt worden waren. Nach etwa 20 Minuten hielten wir am Rand der Straße. „Wir müssen jetzt auf den Guide warten“, sagte der Taxifahrer. Ich hatte nur Fragezeichen in den Augen, hoffte aber, dass der Guide uns erklären würde, was hier vorging und fragte nicht weiter. Weitere fünf Minuten später kam ein schwarzer Minibus. Dort sollten wir einsteigen. Ein Mann kam uns entgegen und stellte sich als Ashraf vor, unser Tourguide für den Tag.

Kiryat Luza

Auf dem Weg zu unserer ersten Station, Nablus, erklärte er, dass er nicht nach Israel einreisen könne und deswegen dieser fliegende Wechsel hinter der Grenze gemacht werden müsse. „Hinter der Grenze?“, fragte ich verwirrt. „Ja, hast du den Jackpoint nicht gesehen?“, entgegenete Ashraf. Ich war völlig irritiert, dass mir das entgangen war und dass es offensichtlich keinerlei Kontrollen gab. Wir fuhren eine ganze Weile, bis wir unser erstes Ziel erreichten. Schon bei dieser Autofahrt fiel mir auf: Das Land ist grün und einfach wunderschön. Irgendwie hatte ich ein lebloses Land erwartet – keine blühenden Bäume und satte Wiesen. Als wir Kiryat Luza in den Höhen des Berges Garizim erreichten, lag Nablus unter uns in den Wolken – oder war es Nebel? Ich weiß es nicht.  Der Ort ist auf jeden Fall die Heimat der letzten Samaritaner: Etwa 700 Anhänger dieser Religionsgemeinschaft gibt es noch und 90 Prozent davon leben hier.  

Nablus

Danach sind wir in die Stadt Nablus runtergefahren, die eine römische Gründung namens Flavia Neapolis war, und haben uns die drei Hauptsehenswürdigkeiten angeschaut:

Jakobsbrunnen

Am Jakobsbrunnen soll Jesus auf dem Weg von Jerusalem nach Galiläa auf eine Samariterin getroffen sein und mit ihr ein theologisches Gespräch geführt haben. Um den Brunnen herum wurde eine griechisch-orthodoxe Kirche gebaut. Nablus und Jenin Tour Stopp 2: Jakobsbrunnen Nablus und Jenin Tour Stopp 2: Jakobsbrunnen Nablus und Jenin Tour Stopp 2: Jakobsbrunnen Nablus und Jenin Tour Stopp 2: Jakobsbrunnen Der Brunnen befindet sich in der Krypta und man kann bis heute Wasser aus ihm schöpfen. Direkt daneben sitzt der Priester, der maßgeblich die Instandhaltung der Kirche in den letzten Jahrzehnten beeinflusst hat: Abuna Justinus. Nablus und Jenin Tour Stopp 2: Jakobsbrunnen Nablus und Jenin Tour Stopp 2: Jakobsbrunnen

Die Ausgrabungsstätte Balata

Nicht weit vom Jakobsbrunnen befindet sich die Ausgrabungsstätte Balata. Sie ist UNESCO Welterbestätte und wird zum Teil auf 4000 vor Christus datiert! Leider ist nicht mehr so viel übrig, was du bewundern kannst. Beeindruckend finde ich es trotzdem: Nablus und Jenin Tour Stopp 3: Balata Nablus und Jenin Tour Stopp 3: Balata Nablus und Jenin Tour Stopp 3: Balata

Der Souq

Als nächstes fuhren wir zum Souq. Dort warteten die üblichen Köstlichkeiten, Obst und Gemüse sowie Gewürze aus der arabischen Welt. Es roch fantastisch und die Rufe der Marktschreier folgten uns durch die engen Gassen.

Nablus und Jenin Tour Stopp 4: Souq von Nablus

Nablus und Jenin Tour Stopp 4: Souq von Nablus

Das Highlight war eine Moschee, an der ich garantiert vorbeigelaufen wäre, wenn ich meinen Weg durch den unübersichtlichen Markt ohne Guide hätte finden müssen. Von außen unscheinbar war der Bau von innen ziemich beeindruckend.

Nablus und Jenin Tour Stopp 4: Souq von Nablus

Ich wollte nur noch ein schnelles Foto machen, während die anderen schon weitergingen. Da signalisierte mir ein Mann, ich solle die Schuhe ausziehen. Ich war zwar gar nicht auf dem Teppich, aber gut. Ich wollte ja nicht despektierlich erscheinen. Kaum hatte ich die Schuhe ausgezogen, bedeutete er mir mit einer Handbewegung, ihm zu folgen, er drehte sich um und lief los. Ich schaute nach draußen, in der Hoffnung, ich könnte jemandem aus meiner Gruppe Bescheid geben, sah aber niemanden. Also hoffte ich, dass sie meine Abwesenheit von allein bemerken würden und folgte ihm auf leisen Sohlen. Ich holte ihn ein und versuchte zu erklären, dass ich zu meiner Gruppe zurück müsse, aber er lächelte nur und ging weiter. Zweimal um die Ecke und dann standen wir vor diesem Raum, der eher einer Höhle glich. Ich machte ein Foto und sagte ehrfürchtig „Shukran, shukran, but I really need to go back“, und war froh wenigstens auf Arabisch danke sagen zu können.

Nablus und Jenin Tour Stopp 4: Souq von Nablus

Der Guide wartete bereits am Eingang zur Moschee auf mich. Ich entschuldigte mich und erklärte ihm, dass ich nicht unhöflich sein wollte. Er verstand es und erklärte mir, dass der Mann es genießt, Touristen den Gebetsraum zeigen zu können. Schließlich ist Nablus keine Touristenhochburg und da freuen sich die Leute, wenn man sich für sie und ihre Kultur interessiert. Ich blickte zurück und mit einem Kopfnicken bedankte ich mich mit einem weiteren „shukran“.

Nablus und Jenin Tour Stopp 4: Souq von Nablus

Wir liefen weiter durch den Markt, der einer der größten war, den ich je besucht habe. Nablus und Jenin Tour Stopp 4: Souq von Nablus Nablus und Jenin Tour Stopp 4: Souq von Nablus Nablus und Jenin Tour Stopp 4: Souq von Nablus

Jenin

Die Fahrt ging weiter nach Jenin. Auch von diesem Ort hatte ich noch nie gehört. Ashraf hatte hier etwas Besonderes mit uns vor: „Die Menschen glauben, dass Palästina gefährlich sei. Sie haben Angst. Deswegen möchte ich auf meinen Touren immer, dass die Reisenden einmal alleine durch eine Stadt laufen. Seid in einer Stunde wieder hier!“ Ich war völlig perplex und meine erste Reaktion war: „Meint der das Ernst? Das kann der doch nicht machen! Was, wenn wir uns verirren?“ Aber dann lief ich mit den anderen los und wir schlenderten über den Markt, bekamen Erdbeeren und Mandarinen angeboten und als der Muezzin anfing, von der Moschee zu rufen, war der „Orient-Moment“ perfekt. Keine negativen Gefühle, keine Angst, keine Bedrohung. Nur freundliche, lächelnde Menschen in einer arabischen Stadt. Nablus und Jenin Tour Stopp 5: Die Stadt Jenin

Flüchtlings-Camp nahe Jenin

Am Schluss fuhren wir noch in ein Flüchtlingslager in der Nähe der Stadt. Ich hatte erwartet, dass Zelte auf uns warten würden. Mit echten Häusern hatte ich nicht gerechnet. Dennoch sind die Bedingungen würdelos: Die Häuser sind – um Platz zu sparen – so eng gebaut, dass man mit den Nachbarn problemlos gemeinsam fernsehen könnte, und wer das Lager verlässt, hat seinen Anspruch verloren. Nablus und Jenin Tour Stopp 6: Flüchtlingslager in der Nähe von Jenin Es wurde 1953 infolge des israelisch-arabischen Krieges gegründet. Hier konnten die vertriebenen Palästinenster unterkommen. Sie hatten wahrscheinlich nicht damit gerechnet, dass ihre Enkelkinder hier aufwachsen würden. Die Kinder freuen sich immer über Touristen! Fröhlich liefen sie um uns herum und fragten uns mit stolz geschwellter Brust: „Hello, what’s your name?“. Der Tag ging zu Ende und während wir ins Abraham Hostel, unsere Unterkunft in Jerusalem, zurückgebracht wurden, blieb Ashraf in Palästina. Die Erfahrung war bewegend und der Tag hat mich wünschen lassen, dass ich mehr Zeit in Palästina verbringen könnte. Ich freute mich schon auf Runde zwei! Denn neben der Nablus und Jenin Tour hatte ich ja noch die Best of Westbank Tour gebucht! Warst du schon einmal in Palästina bzw. im Westjordanland? Wie waren deine Erfahrungen dort?
Deine Barbara
PS: Dieser Beitrag ist mit freundlicher Unterstützung von Abraham Tours entstanden. Ich wurde zu der Tour eingeladen, habe jedoch keinerlei finanzielle Vergütung dafür erhalten. Meine Meinung bleibt davon unberührt und ist nach wie vor meine eigene.

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