Heute ist der Internationale Tag des Übersetzers und seit gestern bin ich offiziell Übersetzerin und Dolmetscherin, denn ich habe erfahren, dass ich meine letzte Prüfung bestanden habe.

Aber wo nahm das seinen Anfang?

Eigentlich hat das alles damit begonnen, dass meine Mutter Italienerin ist. Allerdings kann man nicht sagen, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin, da meine Mutter fast nur Deutsch mit meinen Geschwistern und mir gesprochen hat. Natürlich konnte ich Smalltalk halten, aber viel mehr war nicht drin.

Nach meinem Abitur habe ich dann lange überlegt, was ich wirklich machen möchte und habe schnell verstanden: Ich will meine Wurzeln kennenlernen! Mit Deutschland und der deutschen Sprache hatte ich mich in der Schule 13 (ehrlich gesagt 14) Jahre beschäftigt. Nun sollte meine zweite Heimat, die ich bis dahin so sträflich vernachlässigt hatte, erkundet werden.

Also entschloss ich mich zu einem Studium in Romanistik an der Uni Frankfurt. Schnell hat sich herausgestellt, dass ich nicht unbegabt bin, wenn es um Fremdsprachen geht. Bis dahin hatte ich das nicht wirklich bemerkt, da ich in der Schule Latein und Altgriechisch (ja das gibt es noch an manchen Schulen!) hatte.

Es dauerte nicht lange, da wurde ich angesprochen, ob ich nicht einen Bekannten auf einer Messe in Frankfurt unterstützen könne, der kein Deutsch sprach. Klar! Da war ich sofort dabei. Und… es war grauenhaft! Ich hatte keine Ahnung, was ich überhaupt machen sollte, was von mir verlangt wurde! Als er mir auf Italienisch den Grund für seinen Besuch auf der Messe erklärte, nickte ich zwar eifrig, verstand aber gar nichts.

Trotzdem war ich fasziniert von der Atmosphäre auf der Messe und habe deswegen in den Monaten danach einige Messehostessenjobs angenommen. Auch da musste ich ein bisschen sprachlich unterstützen, aber ich wurde nicht nochmal so ins kalte Wasser geworfen und konnte mich langsam entwickeln und mir das nötige Wissen und Vokabular aneignen. Irgendwann habe ich dann auch Verhandlungen gedolmetscht und Begleitdolmetschen gemacht.

Nach kurzer Zeit kamen die ersten Anfragen, ob ich für die Firmen, für die ich am Messestand arbeitete, auch übersetzen könne: Flyer, Websites, usw.

Das war der erste Schritt in Richtung Übersetzerin (für den Unterschied zwischen Übersetzen und Dolmetschen klicke hier)

Irgendwann war mir klar:

Romanistik ist toll! Aber ich will übersetzen und dolmetschen!

Mir fiel außerdem auf, dass viele meiner Kunden, die mich als Messehostess engagierten und darüber meine Dienste als Übersetzerin wahrnahmen, es gerne gesehen hätten, dass ich einen Abschluss in Übersetzen und Dolmetschen habe und nicht „nur“ in Romanistik.

Also recherchierte ich und fand raus, dass die Universität Mainz einen ausgelagerten Fachbereich in Germersheim hat, an dem man Übersetzen und Dolmetschen studieren kann.

Ich beendete mein Romanistikstudium in Unterregelstudienzeit und mit einer 1,0 in der Magisterarbeit, machte die Aufnahmeprüfung für Konferenzdolmetschen und wurde in Germersheim – einer der renommiertesten Universitäten Europas für Übersetzen und Dolmetschen – angenommen. Im Oktober 2011 zog ich in das kleine Örtchen in Rheinland-Pfalz.

Heute, drei Jahre und zwei Studienwechsel später, habe ich einen Master in Translation (Schwerpunkte Fachübersetzen, Fachdolmetschen und Konferenzdolmetschen) und habe endlich das Gefühl, irgendwo angekommen zu sein.

Ich bin da angekommen, von wo aus ich einen neuen Lebensabschnitt beginnen möchte. Einen Lebensabschnitt, in dem ich nicht mehr Studentin bin und nichts mehr tun muss, weil es jemand anderes (zum Beispiel ein Dozent) eben so verlangt! Ein Lebensabschnitt, in dem ich nur noch das tue, was mich glücklich und zufrieden macht! Ein Lebensabschnitt, in dem meine Arbeit aus Übersetzen, Dolmetschen und Schreiben besteht und nicht aus Nebenjobs.

Hoffe ich zumindest :)

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