Falsch!

Heute möchte ich mit einem weitverbreiteten Irrglauben aufräumen.

Ich erlebe es häufig, dass Leute einfach nur nicken und lächeln, wenn ich erzähle, dass ich Übersetzerin und Dolmetscherin bin. Wenn ich dann noch sage, dass ich eigentlich sogar Konferenzdolmetscherin bin, sieht man in ihren Augen dann nur noch große Fragezeichen.

Aaaaaalso:

  • Übersetzer übertragen von Sprache A nach Sprache B schriftlich!
  • Dolmetscher hingegen übertragen von Sprache A nach Sprache B mündlich!

 

Nun ist aber Übersetzer nicht gleich Übersetzer und Dolmetscher nicht gleich Dolmetscher.

Es gibt viele verschiedene Arten von Übersetzen und Dolmetschen und viele mögliche Sprachkombinationen. Denn auch wenn sich zwei Sprachen ähneln oder der Übersetzer/Dolmetscher prinzipiell zwei Sprachen beherrscht, heißt das nicht, dass er auch beide als Arbeitssprachen hat oder das entsprechende Thema als Fachgebiet hat!

Es gibt viele Übersetzer, die sich auf ein bestimmtes Fachgebiet spezialisieren und Aufträge zu allen anderen Themen an Kollegen mit dem entsprechenden Fachgebiet weiterleiten. Jemand der sich auf Recht spezialisiert hat, übersetzt nicht unbedingt auch technische Texte oder medizinische oder oder oder.

Man unterscheidet zwischen

  • Fachübersetzern
  • Literarischen Übersetzern
  • Untertitelern

Auf die einzelnen Arten möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen, sonst wird dieser Blogpost zu lang ;)

Wir sind alle keine wandelnden Wörterbücher und Kommentare wie: „Du bist doch Übersetzer, übersetz das mal!“ zeigen nur, dass die Person keine Ahnung hat. Du machst auch keinen Termin beim Radiologen, wenn du Blasenentzündung hast, oder?

Kommen wir nun zum schwereren Teil: die Dolmetscher!

Wir haben ja bereits verstanden, dass Dolmetscher mündliche Übertragungen von einer in eine andere Sprache machen. Dabei gibt es viele verschiedene Arten:

  • Behördendolmetschen (oder Community Interpreting)
  • Begleitdolmetschen
  • Messedolmetschen
  • Mediendolmetschen
  • Industriedolmetschen
  • Verhandlungsdolmetschen
  • Konferenzdolmetschen

Ich gehe erst mal nur auf das Konferenzdolmetschen ein, da ich mich am meisten als Konferenzdolmetscherin sehe, obwohl ich natürlich auch andere Modi mache. Konferenzdolmetschen ist wiederum unterteilt in

  • Simultandolmetschen
  • Konsekutivdolmetschen
  • Flüsterdolmetschen (auch Chouchoutage)
  • Flüsterdolmetschen mit Personenführungsanlage

 

Simultandolmetschen ist das, was wir alle aus Filmen wie „die Dolmetscherin“ oder aus den Nachrichten kennen: Der Dolmetscher sitzt mit Mikrofon und Kopfhörer in einer Dolmetschkabine und überträgt das Gehörte simultan (nicht synchron!), er hört in einer Sprache und spricht gleichzeitig in einer anderen Sprache. Dafür muss man sich sehr konzentrieren, weshalb man im Normalfall höchstens eine halbe Stunde am Stück simultan dolmetscht. Danach kommt der Kabinenpartner an die Reihe. Eine weitere halbe Stunde später wird wieder gewechselt. Bei Einsätzen über eine halbe Stunde werden deswegen im Regelfall zwei Dolmetscher benötigt.

Konsekutivdolmetschen bedeutet, dass der Dolmetscher nach dem Redner dolmetscht. Der Redner spricht also etwa fünf Minuten in seiner Sprache. Dann kommt der Dolmetscher ans Pult und hält die Rede quasi ein zweites Mal, aber in einer anderen Sprache. Weil man sich normalerweise keine fünf Minuten lange Rede einfach merken kann, gibt es eine spezielle Notizentechnik für Dolmetscher, die man sich über eine lange Zeit selbst aneignen muss. Es gibt Kurse und Literatur dazu, aber letztendlich muss jeder Dolmetscher selbst für sich herausfinden, was für ihn funktioniert. Es muss eine Technik sein, die man automatisieren kann, über die man nicht mehr nachdenkt. Das kann für den einen eine reine Symbolschrift sein, für den anderen aus Abkürzungen bestehen, für den dritten aus ausgeschriebenen Wörtern. Wichtig ist einzig und allein das Resultat.

Flüsterdolmetschen ist eine Abwandlung des Simultandolmetschens ohne Kabine. Der Dolmetscher hat also keine Kabine, keine Kopfhörer, kein Mikrofon. Er hört den Redner über den Lautsprecher wie alle anderen auch und dolmetscht hinter der Person, die die Verdolmetschung benötigt. Für mehr als zwei Personen kann man bei dieser Variante nicht dolmetschen.

Kunden, die der Zeitersparnis wegen keine konsekutive Verdolmetschung wollen, keine Kabine zahlen möchten, aber dennoch für mehr als zwei Personen eine Verdolmetschung benötigen, greifen häufig auf eine sogenannte Personenführungsanlage (PFA) zurück. Dabei flüstert der Dolmetscher nicht in das Ohr einer einzelnen Person, sondern in ein tragbares Mikrofon. Wer eine Verdolmetschung wünscht, erhält dann einen Empfänger mit Kopfhörer. Auf diese Art kann man mit Flüsterdolmetschen mehr als ein oder zwei Personen erreichen.

Damit bin ich schon am Ende meines kleinen Crashkurses zum Thema Übersetzen und Dolmetschen.

Hast du noch Fragen? Rein in die Kommentare damit :)

 

IMG_0246